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19. Februar 2010
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Vierter Gesundheitsbericht des Kantons Bern - Die Gesundheitschancen sind ungleich verteilt

Die Chancen für ein langes und gesundes Leben sind nicht für alle Personen gleich gut. Frauen und Männer im Erwerbsalter mit obligatorischer Schulzeit und keiner beruflichen Ausbildung haben zum Beispiel ein 3,7 Mal höheres Risiko an starken Rückenschmerzen zu leiden als Gleichaltrige mit Universitätsabschluss. Das zeigt der vierte Gesundheitsbericht des Kantons Bern. Die Verringerung der gesundheitlichen Kluft innerhalb der Gesellschaft ist das Ziel von Regierungsrat Philippe Perrenoud, Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern.

Mit dem vierten Gesundheitsbericht geht der Kanton Bern neue Wege. Die früheren Berichte machten jeweils generelle Aussagenüber den Gesundheitszustand der bernischen Bevölkerung. Die vierte Auflage zeigt erstmals in einem thematischen Bericht auf, wie stark Schulbildung, Berufsbildung, berufliche Stellung, Wohlstand oder soziale Stellung die Chance auf ein langes, gesundes und produktives Leben beeinflussen. Das Fazit: Die Chancen sind ungleich verteilt. Personen in einer tiefen sozialen Position haben ein deutlich höheres Risiko zu erkranken und früher zu sterben. Ihn mache betroffen, dass die Gesundheit so stark von der sozialen Stellung abhängig sei, sagte Regierungsrat Philippe Perrenoud bei der Präsentation des vierten Gesundheitsberichts.„Diese gesundheitliche Kluft innerhalb unserer Gesellschaft gilt es zu verringern.“ Eine solche Investition in eine nachhaltige und integrative Gesundheitspolitik sei für den Erhalt der Produktivität der Bevölkerung notwendig und mache sich auch ausbezahlt, gab sich der Gesundheits- und Fürsorgedirektorüberzeugt. Bei der Präsentation des Sozialberichts habe er das ehrgeizige Ziel von der Halbierung der Armut innert zehn Jahren lanciert. Dies sei ein Beitrag zu Existenzsicherung. Zugleich werde seine Direktion Programme zur Präventions- und Gesundheitsförderung verstärkt auf die sozial Benachteiligten ausrichten. Um die Chancengleichheit in Sachen Gesundheit zu verbessern, seien aber auch die anderen Politbereiche gefordert.

Zwei Ergebnisse aus dem vierten Gesundheitsbericht:

  • Sterblichkeit und soziale Lage: Wer nur eine obligatorische Schulbildung und keine berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, hat ein höheres Risiko, frühzeitig zu sterben. Dies trifft sowohl für krebsbedingte wie für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle zu. So hat ein 30-jähriger Mann mit obligatorischer Schulzeit und keiner beruflichen Ausbildung eine 5,5 Jahre tiefere Lebenserwartung als ein Mann im gleichen Alter mit einem Universitätsabschluss. Dieses Aussage stützt sich auf die Auswertung der Daten von rund 42'500 Menschen, die vom Dezember 2000 bis Ende 2005 im Alter zwischen 25 und 94 Jahren gestorben sind. Während bei Brust- und Prostatakrebs kein Zusammenhang zwischen der Bildung und der Sterblichkeit festzustellen ist, erkennt man einen starken Zusammenhang bei Lungenkrebs: Im ausgewerteten Zeitraum hatten Personen mit obligatorischer Schulbildung ein fast doppelt so hohes Risiko an Lungenkrebs zu sterben als Personen mit einem Universitätsabschluss.
  • Starke Schmerzen und soziale Lage: Personen mit tiefem Sozialstatus leiden häufiger unter starken Rückenschmerzen. Das Risiko zu starken Rückenschmerzen ist für Personen mit einer geringen Schulbildung 3,7 Mal höher als für Personen mit einem Abschluss auf Fachhochschul- oder Universitätsstufe. Fast jede zehnte Person mit geringer Schulbildung, tiefem Einkommen und niedriger beruflicher Stellung leidet unter starken Rückenschmerzen.

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